Hallo und wie schön, dass du auf meinem ersten Streifzug dabei bist. Ich möchte in diesem neuen Format einen Blick auf das werfen, was uns umgibt und dich dazu einladen, mit mir gemeinsam genauer hinzuschauen. Ab sofort sammle ich hier Begegnungen, Entdeckungen und Gedanken aus Heide oder Wald, Moor oder Garten – und manchmal auch von unterwegs. Ich freue mich sehr, dass du mitkommst!
Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint und in der täglich etliche Informationen, Nachrichten und Erwartungen auf uns einprasseln. Schlagzeilen, E-Mails und Chat-Nachrichten, Social Media, Push-Benachrichtigungen und To-do-Listen – da tut es gut, zwischendurch einmal auszusteigen und den Blick auf etwas ganz anderes zu richten.
Mir gelingt das am besten draußen. Bei meinen Streifzügen durch die Natur kann ich die Informationsflut eine Weile hinter mir lassen und mich ganz auf das konzentrieren, was mir begegnet. Auf einen Vogel am Wegesrand, eine Landschaft im Wandel, eine kleine Entdeckung im Garten oder etwas, das mir bisher noch nie aufgefallen ist. Dabei bin ich ganz automatisch im Hier und Jetzt.
In den letzten Jahren hat das nicht nur mein Interesse für die Vogelbeobachtung und die Naturfotografie verstärkt. Inzwischen nutze ich diese Ausflüge ganz bewusst als kleine Alltagspausen. Ein bisschen davon möchte ich mit dir teilen – und vielleicht kannst du auf deinem Streifzug durch diese Seiten ja auch etwas für dich mitnehmen.
Feldnotizen: Der Neuntöter
Alles begann Anfang 2025 auf Instagram mit dem „Tier des Tages“: Ich teilte jeden Tag ein Tierfoto. Eigentlich war es schon fast der „Vogel des Tages“, denn Vögel waren mit Abstand die häufigsten Tiere. Dieses Jahr wurden daraus die „Feldnotizen“, eine Fotostrecke, bei der ich interessante Infos und Fakten zu dem jeweiligen Tier ergänzte und meine Community so an dem teilhaben ließ, was ich selbst mit der Zeit über die Arten lernte. Inzwischen sprengt das ein wenig den Rahmen von Instagram-Stories, daher möchte ich das Format hier weiterführen. Im Juli und August habe ich im Moor viele Neuntöter gesehen, also starten wir heute mit diesem Singvogel.
Der Neuntöter, auch Rotrückenwürger, ist der bekannteste Vertreter der Würger bei uns. Obwohl er nur 16-18 cm groß ist, führt er das Leben eines richtigen kleinen Raubvogels. Sein Name entstammt dem Volksglauben, dass der Vogel erst neun Beutetiere aufspieße, bevor er sie frisst. Die Anzahl stimmt nicht, doch das Verhalten schon: Er fängt Großinsekten und manchmal sogar kleine Reptilien und Mäuse und spießt diese hin und wieder auf spitzen Dornen auf. So hat er auch an Schlechtwettertagen mit weniger Insektenaktivität ausreichend Nahrungsvorrat. Ich habe das selbst noch nie live beobachtet, finde dieses Verhalten aber sehr interessant.
Die Vögel bevorzugen halboffene Landschaften mit dornenreichen Hecken als Lebensraum. Die Männchen sind leicht an ihrer schwarzen „Räubermaske“ über den Augen, dem grauen Kopf und rostroten Rücken zu erkennen. Die Weibchen und Jungtiere sind wie so oft schlichter gefärbt, bräunlich mit einer feinen Schuppenzeichnung. Diesen Sommer konnte ich auch die Jungvögel zum ersten Mal beobachten. Sie machten lautstark auf sich aufmerksam: Eines Tages hörte ich ihre hohen Bettelrufe und entdeckte sie in den Büschen entlang meines Rundwegs durch das Moor, wie sie um die Eltern herumflatterten, die pausenlos Futter brachten.
Ihre Nester bauen Neuntöter vorzugsweise im Dornengestrüpp, wo sie gut geschützt vor Feinden sind. Wenn die Küken nach etwa zwei Wochen als Ästlinge das Nest verlassen, werden sie noch drei bis vier Wochen von den Eltern versorgt. Das Aufspießen der Beute ist offenbar teils eine instinktive Verhaltensweise, die richtige Umsetzung lernen die Jungen aber erst durch die Beobachtung. Gestern habe ich auf meiner Runde nur noch zwei Neuntöter gesehen, sie brechen jetzt bereits zu ihren Winterquartieren in Afrika auf. Sie gehören zu den ersten Zugvögeln, die ab August starten. Die Altvögel zuerst, danach die Jungvögel – völlig selbstständig. Wie die meisten Singvögel fliegen sie alleine statt im Schwarm und sind vor allem nachts unterwegs.
Im Gelände: Warum die Heide nicht überall blüht
Der Spätsommer ist für mich immer wie eine fünfte Jahreszeit und geprägt von Streifzügen durch die Heide: Im August und September blüht die Besenheide und die Landschaft färbt sich lila. Normalerweise jedenfalls. Während die Blüte vielerorts in der Lüneburger Heide ihren Höchststand erreicht hat, gibt es in der Fischbeker Heide am Rand von Hamburg dieses Jahr leider keine großflächige Blüte. Im letzten Jahr zeigten sich bereits braune Stellen, diesen Sommer bleibt nun der Hauptanteil der Flächen braun. Ein Grund dafür ist der Heideblattkäfer, der vor allem alte Bestände befällt, die Heidepflanzen entlaubt und vertrocknen lässt.
Milde Winter und besonders trockene, heiße Perioden begünstigen die Vermehrung des Käfers. In der benachbarten Wulmstorfer Heide war 2025 bereits fast ein Drittel der Heideflächen betroffen, sodass die Blüte auch dort weitgehend ausfiel. Danach wurden gezielte Pflegemaßnahmen ergriffen. Einzelne Pflanzen und Bereiche blühen zwar weiterhin schön lila, doch das verdorrt wirkende Gesamtbild stimmt mich traurig. Der Käfer gehört Fachleuten zufolge ganz natürlich zum Ökosystem der Heide, dieser Vorgang kann wie eine Verjüngungskur wirken. Dennoch werden die Auswirkungen hier vermutlich auch in den nächsten Jahren noch sichtbar bleiben.
Vom Acker: Tomaten und Kartoffeln satt
Gärtnern zählte bis zum letzten Jahr noch nicht zu meinen Hobbies. Bis mein Partner und ich ein 50 m² großes Stück auf einem Acker in der Nähe „gemietet“ haben. Das Ganze ist ein Projekt, bei dem das Feld professionell bestellt wird und vorgegebene Gemüsesorten angepflanzt werden. Interessierte können ein Stück davon für eine Saison von Mai bis Oktober pachten, darauf gärtnern und auch Eigenes anpflanzen, um schließlich den Ertrag zu ernten. Wir sind nun im zweiten Jahr und ich liebe es, nicht nur in der Natur um uns herum, sondern ebenso hier auf dem Acker die Jahreszeiten genau zu verfolgen und die Veränderungen wahrzunehmen.
Dazu gehört auch, die eigenen Essgewohnheiten danach auszurichten – auf den Tisch kommt, was gerade reif ist. Der erste eigene Salat, die ersten Radieschen, Spinat. Überschüsse werden wenn möglich eingefroren, eingekocht oder anders verarbeitet. So haben wir zum ersten Mal Pesto aus Kohlrabiblättern gemacht: erfrischend, leicht säuerlich und sehr lecker! Anfangs waren auf dem Feld nur ein paar zarte Triebe zu sehen, nach und nach wuchs immer mehr. Ich habe gelernt, wie sich junges Pastinaken- von Karottengrün unterscheidet und wie man Rankgitter für Erbsen und Stangenbohnen baut. Letztere konnten wir schon in großen Mengen ernten.
Nachdem es letzten Sommer zeitweise nur noch Zucchini zu essen gab, haben wir dieses Jahr einen Tomatendschungel geschaffen. Jeden zweiten Tag geht es aktuell zum Ernten aufs Feld. Ob als Snack, Tomatensalat oder frische Tomatensauce, sie schmecken einfach herrlich intensiv und aromatisch. Vor einigen Tagen folgte die Kartoffelernte: Wir haben sie alle auf einmal aus der Erde gebuddelt und lagern sie nun in einem Eimer mit Sand im Keller. So hatten wir letztes Jahr schon bis in den Winter hinein einen Vorrat, dafür ist die Schale gerade dick genug. Bald sind auch die Kürbisse dran. Darauf freue ich mich besonders, denn es wird unsere erste eigene Kürbisernte.
Nebenbei: DIY-Gartenteich in der Schubkarre
Wann hast du zuletzt etwas selbst gebaut oder gebastelt? Ich mache das gar nicht so oft, obwohl ich jedes Mal feststelle, dass mir solche „Do it yourself“-Projekte wirklich Spaß bringen. Und auch sie eröffnen immer neue Blickwinkel. Wir haben vor Kurzem einen kleinen Teich für die Terrasse gebaut. Und zwar in einer Schubkarre. Die ursprüngliche Idee war eine Zinkwanne, die mir aber zu tief war, dann eine Feuerschale – neu zu teuer für diesen Zweck.
Letztendlich wurde es eine verzinkte Schubkarre. Wir haben sie mit Teichfolie ausgelegt, Kieselsteine eingefüllt und ein paar Wasserpflanzen hineingesetzt. Sogar eine winzige Seerose ist dabei. Für etwas Wasserbewegung sorgt eine kleine Solarpumpe. Nach anfänglicher Skepsis wird der Teich inzwischen auch von den Gartenvögeln regelmäßig als Pool genutzt. Und ich bin jeden Tag aufs Neue erstaunt, wie viel es in so einem kleinen Biotop zu entdecken gibt!
